Versorgungslücke berechnen: So gehen Sie vor
Das Wichtigste in Kürze
Viele Ärzte wissen nicht wie hoch ihre Versorgungslücke im Alter ist. Dabei ist diese Zahl der wichtigste Ausgangspunkt für jede Altersvorsorge-Entscheidung. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Ihre persönliche Versorgungslücke realistisch einschätzen.
Schritt 1: Gewünschtes Ruhestandseinkommen festlegen
Wie viel Nettoeinkommen möchten Sie im Ruhestand monatlich zur Verfügung haben?
Realistischer Ansatz: 70–80 % des letzten Nettoeinkommens. Viele Ausgaben entfallen im Ruhestand (Berufskleidung, Fahrtkosten, Kindererziehung) – andere kommen hinzu (Gesundheit, Reisen, Hobbys).
Beispiel:
- Letztes Nettoeinkommen: 8.000 € / Monat
- Gewünschtes Ruhestandseinkommen: 6.000 € / Monat
Schritt 2: Erwartete Versorgungswerk-Rente ermitteln
Schauen Sie in Ihre aktuelle Standmitteilung des Versorgungswerks. Dort finden Sie die voraussichtliche Rente bei gleichbleibenden Beiträgen.
Wichtig: Diese Zahl ist eine Prognose – kein garantierter Wert. Rechnen Sie zur Sicherheit mit 80–90 % davon.
Beispiel:
- Prognostizierte Versorgungswerk-Rente: 3.200 € brutto
- Nach Steuern (ca. 25 % für 2045): ca. 2.400 € netto
- Sicherheitsabschlag (10 %): ca. 2.160 € netto / Monat
Schritt 3: Weitere Rentenansprüche addieren
Haben Sie weitere Rentenansprüche?
- Ansprüche aus der GRV (aus Zeiten vor dem Versorgungswerk)?
- Betriebliche Altersvorsorge (bAV)?
- Private Rentenversicherungen bereits laufend?
Beispiel:
- GRV-Kleinstrente aus Studentenjobs: 80 € / Monat
- Bestehende private Rentenversicherung: 300 € / Monat
- Gesamt weitere Ansprüche: 380 € / Monat netto
Schritt 4: Versorgungslücke berechnen
Gewünschtes Ruhestandseinkommen abzüglich Versorgungswerk-Rente (netto, realistisch) abzüglich weitere Rentenansprüche (netto).
Beispiel: 6.000 € – 2.160 € – 380 € = Versorgungslücke 3.460 € / Monat
Schritt 5: Kapital berechnen das Sie brauchen
Wie viel Kapital brauchen Sie, um diese Lücke zu schließen?
Faustregel: Versorgungslücke × 12 Monate × 20–25 Jahre (Rentendauer) = benötigtes Kapital.
Besser: Dynamische Berechnung mit Zinssatz (4 % Entnahmeplan).
Entnahme-Formel: Benötigtes Kapital = jährliche Lücke / 0,04
Beispiel: Monatliche Lücke 3.460 € → jährliche Lücke 41.520 € → benötigtes Kapital 41.520 / 0,04 = 1.038.000 €
Sie brauchen also rund 1 Million Euro Kapital um die Versorgungslücke zu schließen.
Schritt 6: Monatlichen Sparbeitrag berechnen
Wie viel müssen Sie monatlich sparen um dieses Kapital bis zur Rente aufzubauen?
| Jahre bis Rente | Benötigtes Kapital | Monatl. Sparbeitrag (7 % p.a.) |
|---|---|---|
| 30 Jahre | 1.000.000 € | ca. 820 € / Monat |
| 25 Jahre | 1.000.000 € | ca. 1.200 € / Monat |
| 20 Jahre | 1.000.000 € | ca. 1.900 € / Monat |
| 15 Jahre | 1.000.000 € | ca. 3.200 € / Monat |
Die Botschaft: Je früher Sie beginnen, desto weniger müssen Sie monatlich sparen.
Häufige Fehler bei der Berechnung
Fehler 1: Inflation nicht einkalkuliert – 1 € heute ist in 30 Jahren weniger wert. Rechnen Sie mit einer Inflation von 2–3 % und erhöhen Sie Ihren Sparbeitrag jährlich entsprechend.
Fehler 2: Steuer auf Renten vergessen – Renten aus dem Versorgungswerk werden zunehmend besteuert. Rechnen Sie mit 20–30 % Abzug.
Fehler 3: Praxisverkauf als Altersvorsorge einkalkuliert – Ein Praxisverkauf ist kein sicherer Altersvorsorgebaustein. Die Preise für Arztpraxen schwanken und hängen von Fachrichtung und Region ab.
Fehler 4: Nur das Versorgungswerk einkalkuliert – Das reicht für die meisten nicht. Ergänzende Vorsorge ist Pflicht.
Fazit
Die Berechnung der Versorgungslücke ist der erste und wichtigste Schritt jeder Altersvorsorge-Planung. Wenn Sie Ihre Zahlen kennen, können Sie konkret handeln. Als zertifizierter Ruhestandsplaner berechnen wir Ihre persönliche Versorgungslücke präzise – mit Inflation, Steuer und realistischen Renditeerwartungen. Kostenlos und unverbindlich.
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